Valparaiso - Chiles bunte Hafenmetropole

Valparaiso, Südamerika, Chile, Die Traumreiser
Farbenfrohes Valparaiso

Von Johannes Baumgart

 

Valparaiso ist vielleicht die bunteste und farbenfrohste Stadt Chiles. Die bunten Häuser, die Straßenkunst und die engen Gassen sind genauso typisch für den einst mondänen Küstenort wie die schier endlosen Treppen und altehrwürdigen Aufzüge der Stadt. Wir nehmen dich mit auf einen Bummel durch Valparaiso und geben dir die besten Tipps für die 300.000 Einwohnern-Stadt an Chiles Pazifikküste.

Allgemeine Informationen zu Chile wie Anreise, Essen & Trinken und Sicherheit findest du in unserem Chile-Beitrag.


In diesem Artikel findest du:


TOP-FACTS VALPARAISO

  • Kontinent: Amerika
  • Währung: Chilenische Pesos
  • Einwohnerzahl:  300.000
  • Fläche: 402 Quadratkilometer
  • Zeitverschiebung: - 4 Stunden


Anreise nach Valparaiso

Der nächstgelegenen Flughafen ist der Internationale Airport von Santiago de Chile. Von hieraus dauert die Fahrt rund 1 Stunde und 20 Minuten, ehe man in Valparaiso ankommt. Leider gibt es vom Flughafen Santiago keine direkte Busverbindungen, sodass man entweder erst ins Stadtzentrum von Santiago fahren muss, um dort umzusteigen oder sich am Flughafen ein Taxi nehmen muss, was jedoch mehr als 100 Euro kostet. Eine preiswertere Alternative ist der Mietwagen. Für rund 30 Euro pro Tag erhält man in Chile einen Kleinwagen. Die Straßen sind sehr gut ausgebaut und auch als Europäer findet man sich im Straßenverkehr Chiles leicht zurecht. Wer also nicht Unsummen für ein Taxi ausgeben möchte und keine Lust auf lange Busfahrten mit Umsteigen hat, dem sei der Mietwagen wärmstens empfohlen. Weiterer Pluspunkt ist die Flexibilität und dass man mit einem Mietwagen die Möglichkeit hat, die Küste Chiles über Valparaiso hinaus  zu erkunden. Jedoch benötigt man zwingend einen Internationalen Führerschein, den man zu Hause bei der Führerscheinstelle einfach beantragen kann. 

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Mietwagenfirmen am Flughafen Santiago
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Mit dem Auto nach Valparaiso
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Ausblick aus dem IBIS Valparaiso

Unterkunft in Valparaiso

Trotz der Größe von rund 300.000 Einwohnern, große Hotels sucht man in Valparaiso vergebens. Zwar gibt es viele Hostels in der Stadt, in denen man preiswert übernachten kann, jedoch haben wir uns für das Ibis Hotel direkt im Hafen von Valparaiso entschieden. Für rund 50 Euro pro Nacht und Doppelzimmer bietet das Ibis Hotel neben einem Parkhaus für den Mietwagen kostenloses Internet und ein günstiges Frühstück. Zudem ist die Lage direkt am Hafen perfekt, um von hieraus seine Entdeckungstour durch Valparaiso zu starten.

Sehenswürdigkeiten und Highlights in Valparaiso

Valparaiso - der erste Eindruck

Valaparaiso, das ist nicht unbedingt die Liebe auf den ersten Blick. Kommt man aus dem sauberen und modernen Santiago, so ist der erste Eindruck von Valparaiso eher chaotisch und dreckig. An jeder Ecke streunende Hunde, die ihre Notdurft mitten auf der Straße verrichten, Unrat und Abfall sowie verfallene Gebäude, die ihre besten Tage längst hinter sich haben. So oder so ähnlich empfängt Valpo, wie die Einheimischen liebevoll ihre Stadt am Pazifik nennen, ihre Besucher. Der eigentliche Charme der Stadt, deren historisches Zentrum von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde, entfaltet sich erst nach und nach. Valpo macht es seinen Besuchern nicht leicht, Valpo will erobert werden. Und das geht am besten durch eine Tour mit einem einheimischen Führer. 

Geführter Spaziergang durch Valparaiso

Jeden Tag um 10 Uhr und um 15 Uhr startet am Plaza Sotomayor, dem Hauptplatz der Stadt direkt am Hafen, die dreistündige Tour4Tips Valaparaiso. Im Gegensatz zu normalen Sightseeing Touren muss man sich hierfür nicht anmelden. Es gibt auch keinen festen Preis, sondern am Ende der Tour entscheidet man selbst, wie viel diese einem wert war und gibt dem Guide ein kleines Trinkgeld (üblicherweise zwischen 5 und 10 Euro). Camilo, unser Tourguide, empfängt uns im perfekten Englisch und schon geht die Tour entlang des alten Hafenviertels los. Dieses Viertel war einst Heimat der wohlhabenden Geschäftsleute der Stadt. Die prächtigen Paläste im Kolonialstil haben jedoch ihre goldenen Jahre längst hinter sich gelassen. Überall bröckelt der Putz von den Wänden, die längst zerbrochenen Fenster sind mit Wellblech verrammelt und die Sprayer der Stadt haben die Fassaden längst für sich beansprucht.

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Tour4Tips Valparaiso
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Streetart an jeder Ecke
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Valparaiso - Zwischen Kunst und Verfall

Die alte Hafenstadt

Einst war die Stadt der wichtigste Hafen Chiles und ganz Südamerikas. Schiffe, die vom Atlantik kommend in Richtung Kalifornien unterwegs waren, machten nach der Umfahrung des Kap Hoorns Station in Valparaiso, um dort Proviant aufzunehmen. Zudem war Valaparaiso auch der wichtigste Seehafen Chiles. Mit dem Bau des Panamakanals verlor der Hafen und somit die Stadt aber rasant an Bedeutung. Zudem wurde Valparaiso immer wieder von starken Erdbeben und Bränden heimgesucht, die auch zum Niedergang Valaparaisos beigetragen haben. Jedoch beweist die Stadt Nehmerqualitäten und hat sich nach jedem Niederschlag wieder aufgerappelt und versucht, an die einst glorreiche Geschichte anzuknüpfen. Charakteristisch für Valaparaiso sind die vielen Treppen der Stadt. Die wohl bekannteste ist die Treppe Cienfuegos. Übersetz bedeutet dies soviel wie „Einhundert Feuer“ und ist eine Anspielung auf das Brennen in den Beinen, das einem beim Besteigen unweigerlich überkommt.

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Das Hauptquartier der Chilenischen Marine
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Blick über die Hügel der Stadt
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Hat an Bedeutungverloren - der Hafen von Valparaiso

Mit den Funiculares in die Hügel Valparaisos

Eine bequemere Variante, die Hügel von Valparaiso zu erklimmen, sind die Aufzüge, die sogenannten Funiculares. Diese Standseilbahnen, von denen es einst mehr als 40 in der Stadt gab und wovon heute noch ein gutes Dutzend erhalten sind, ächzen und quälen sich die Hügel der Stadt hinauf und als Passagier hat man fast ein wenig Mitleid mit den altehrwürdigen Gefährten. Zusammen mit unserem Guide nehmen wir jedoch einen Bus, um hoch hinauf in die Hügel der Stadt zu gelangen. Für die Einheimischen sind die Busse das Fortbewegungsmittel Nummer eins. Die meist schon in die Jahre gekommenen Busse rasen mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit die engen Gassen der Stadt hinauf. Für 350 Pesos (rund 50 Cent) erlebt man eine Achterbahnfahrt der besonderen Art. Unser Guide erklärt uns, warum es die Fahrer so eilig haben. Hintergrund ist, dass die Busfahrer nur einen kleinen Lohn erhalten, jedoch anteilig an den verkauften Tickets beteiligt sind. Sie sind somit teilweise selbstständig und versuchen, so viele Fahrgäste wie nur irgend möglich an Bord zu nehmen und auf jeden Fall vor den Kollegen an der nächsten Haltestelle zu sein. Somit liefern sich die Fahrer ein regelrechtes Wettrennen um die Fahrgäste. 

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Einer von 18 verbliebenen Aufzügen in Valpo
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Mit dem öffentlichen Bus die Hügel hinauf
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Eine Busfahrt wie in der Achterbahn

Vom Gefängnis zum Kulturzentrum

Hoch in den Hügeln der Stadt liegt der Parque Cultural de Valaparaiso. Von hier hat man einen tollen Ausblick über die bunten Häuser bishin zum Hafen. Das ehemalige Gefängnis dient heute, zusammen mit dem kleinen Park, als Kulturzentrum der Stadt. Neben kleinen Märkten finden hier immer wieder Konzerte oder Aufführungen statt, die man kostenlos besuchen kann. Vorbei an den Friedhöfen der Stadt (strikt getrennt nach Katholiken und Protestanten) geht es die engen Gassen hinab, vorbei an unzählige Murals, den Wandgemälden, die die Stadt über Chiles Grenzen hinaus bekannt gemacht haben. Die aufwändigen Gemälde, die sich oft über dutzende Meter erstecken, erzählen alle eine ganz eigene Geschichte und mit einem Guide, der selbst in den verwinkelten Gassen der Stadt aufgewachsen ist, erfährt man die Geschichte hinter den Gemälden. Während die Tour am Vormittag eher das versteckte Valparaiso zum Thema hat führt die Nachmittagstour in die mehr touristischen Viertel der Stadt. Mit einem typischen Aufzug geht es für gerade einmal 100 Pesos (rund 15 Cent) hinauf auf den Cerro Conception. Hier offenbart sich nicht nur die Schönheit der Stadt mit den vielen bunten Häusern sondern auch die Bausünden der Vergangenheit. Mitarbeiter eines Deutschen Bauamtes würden wohl auf der Stelle einen Herzinfarkt bekommen, so wild und durcheinander ist der Baustil in Valparaiso. Einfache Wellblechgebäude stehen hier neben mondänen Palästen und nur einen Steinwurf daneben graue Betonklötze aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Nein, auch vom Cerro Conception aus gesehen springt einem die Schönheit Valparaisos nicht gerade ins Auge und man muss schon seinen Blick auf die kleinen Dinge richten, um das wahrhaft Schöne zu entdecken. 

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Nicht retro sondern vintage
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Morbider Charme und Verfall an jeder Ecke
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Straßenkünstler bei der Arbeit

Hafenrundfahrt in Valparaiso

Nach knapp sechs Stunden Fußmarsch durch die Hügel der Stadt bietet eine Hafenrundfahrt eine gelungene Abwechslung und vor allem eine kleine Ruhepause für die geschundenen Füße. Direkt am Hafen der Stadt, von Plaza Sotomayor nur einen Steinwurf entfernt, bieten verschiedene Anbieter Rundfahrten durch die Bucht von Valparaiso an. Einst wurden die Boote zum Fischfang benutzt. Durch den Vormarsch der industriellen Fischerei waren die lokalen Fischer jedoch bald nicht mehr konkurrenzfähig und entschlossen sich, die alten Fischerboote mit Bänken auszustatten, um damit die Touristen durch die Bucht zu schippern. Eine einstündige Tour kostet 6.000 Pesos (rund 8 Euro), während man die 30 minütige Rundfahrt für die Hälfte bekommt. Da die Touren nur auf Spanisch angeboten werden und die Boote meist hoffnungslos überfüllt sind (die Anbieter warten erst bis auch der letzte Platz verkauft ist bevor die Fahrt beginnt) bietet sich die halbstündige Tour an. Vom Wasser aus hat man noch einmal einen ganz besonderen Blick auf die Stadt und die einzelnen Hügel, die man bei einem Stadtspaziergang kaum auseinander halten kann, werden sichtbar. Ein tierisches Highlight sind zudem die Seelöwen, die in der Bucht von Valparaiso zu Hause sind und die man nur vom Wasser aus zu Gesicht bekommt. Ein weiteres Highlight ist die Marineflotte Chiles, die hier vor Anker liegt und deren Schiffe man aus nächster Nähe bestaunen kann. Nach einer halben Stunde im alten, wackligen Holzboot ist man jedoch auch wieder froh, festen Boden unter den Füßen zu haben.

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Der Hafen von Valparaiso
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Tierischer Hafenbewohner
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Jorge erklärt den Hafen von Valparaiso

Das Nachtleben von Valparaiso

Am Abend, wenn die Sonne hinter den Hügeln der Stadt versinkt, erwachen die Bars und Restaurants auf dem Cerro Conception und dem Cerro Alegre langsam zum Leben. Eine wunderbare Aussicht auf die Stadt und die Bucht hat man beispielsweise von der Dachterrasse des Fauna Restaurants. Gepaart mit leckerem Essen (hauptsächlich frischer Fisch aber auch Steaks und Salate) ein toller Ausklang eines spannenden Tags in Valparaiso. Valparaiso, das ist nicht die Liebe auf den ersten Blick. Dennoch bietet die Stadt viel Sehenswertes, die Schönheit der Hafenstadt am Pazifik steckt meist im Detail. Insgesamt solltest du rund zwei Tage einplanen, um die Stadt zu erkunden. Valaparaiso eignet sich auch als Ausgangspunkt für Touren nach Viña del Mar, der modernen und von großen Hotelketten geprägten Schwesterstadt Valparaisos oder weiter nach Norden bishin zu den Sanddünen von Concón. 

Was du in Chile, neben Valparaiso, sonst noch erleben kannst zeigen wir dir in den folgenden Artikeln:


DIE WICHTIGSTEN LINKS:

Recorrido - Bustickets in Chile

Ibis - Hotel in Valparaiso
Tour4Tips - Walking-Tours in Valparaiso